Tauschgeschäfte: Ölbild, Video und Foto

Das ist Antje Schiffers. Sie wohnt in der Grossstadt Berlin. Aber sie kennt sich auch auf dem Land aus. Bestens sogar. Bauernhöfe sind eine Spezialität von ihr. Bauernhöfe und Tauschgeschäfte. Und dann noch Bilder. Ölbilder, Videos und Fotografien. Und das geht so. Antje Schiffers quartiert sich in einem Bauernhof ein. Natürlich mit Einverständnis der Gutsbesitzer oder Pächter. Und sie bleibt jeweils eine Woche auf dem Hof. Eine Woche lang malt sie ein Bild vom Hof. Sie steht beim Stall oder auf dem Feld vor dem Haus. Kann auch sein, dass sie ihre Staffelei auf dem Flachdach des Traktorenschuppens postiert, um von dort aus mit möglichst gutem Überblick zeichnen und malen zu können. Nachdem sie sich alles angeschaut hat, wählt sie mit den Bauern den Standort, von dem aus die malen wird. Und während sie malt, ist die Bäuerin oder ihr Sohn, eine Tochter oder der Bauer mit einer Videokamera unterwegs und macht einen Film über den Hof und seine Leute, über die Tiere und die Umgebung. 39 Hofbilder hat Antje Schiffers schon gemalt. 39 Mal hat sie Filmaufnahmen entgegengenommen. Zuhause in Berlin setzt Schiffers Ehemann Thomas Sprenger am digitalen Schneidetisch die Filmaufnahmen zusammen zu einem Film. Ist seine Arbeit vollbracht, begibt sich Antje Schiffers mit dem gemalten Bild, dem Video und den Standbildern, die in dieser Woche entstanden sind, wieder zum Bauernhof. Jetzt findet eine feierlich-festliche Mahlzeit statt, an der Schiffers gemaltes Bild der Bauernfamilie übergeben und an einer geeigneten Stelle im Bauernhaus aufgehängt wird. Anschliessend wird gemeinsam der rund 20 Minuten dauernde Film über den Hof angeschaut, kommentiert und diskutiert. Nicht selten findet die Filmpräsentatiion in einem Saal statt und wird die Dorfbevölkerung zur Präsentation eingeladen. Die Schauplätze ihrer Aktionen? Deutschland, England, die Schweiz, Österreich, Südafrika, Spanien, Frankreich. «Ich bin gerne Bauer und möchte es gerne bleiben – I like being a farmer and I would like to stay one», lautet ein Satz dieser Aktion. «Die lange Nacht des Bauernfilms» ist der Titel der Abende, zu denen Antja Schiffers jeweils eingeladen wird. Vor kurzem zum Beispiel im Deutschen Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain. An diesen Abenden zeigt sie mehrere Filme, die auf den Höfen entstanden sind. Und weil die ganze Aktion auch im Hinblick auf Buchpublikationen stattfindet, kommt der Fotografie eine wichtige Rolle zu. Ölbild, Video und Still zeigen die volle Realität der Bauernhöfe. Von der Küche bis hin zum Traktor, von den Hühnern bis hin zu den Ochsen. Neugierig zu wissen, wie eine Bauernfamilie in den Schweizer Alpen lebt oder wie ein Bauernhof in Wales funktioniert? Stadtmensch Antje Schiffers zeigt die Bilder und erzählt voller Begeisterung vom Leben auf dem Land. 

Eingeworfen am 23.10.2020

1 Kommentar

  1. Roth-Hunkeler Theres

    Welch schöne Idee. Und mir fällt dazu ein, dass mein Vater sich einmal – ich war noch ein Kind – hatte überreden lassen, mit ein paar Kühen in eine heruntergekommene Scheune des Dorfes zu ziehen, weil eine Filmequipe dort war und irgend welche Szenen eines Heimatfilmes drehte. Kurze Zeit später wurde die Scheune abgerissen und längere Zeit später wurde der Film im Kino des Nachbardorfes gezeigt. Fast alle Dorfbewohner waren da, mein Vater war das erste Mal überhaupt im Kino – aber die Szene mit ihm und den Kühen war herausgeschnitten worden…

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