Viewmaster-Polarlicht in La Brévine

Polarnacht im Norden Finnlands. Foto Tiina Törmänen

Autor: Michael Guggenheimer

Tiina Törmänen ist eine finnische Fotografin, die zur Teilnahme beim Openair-Filmfestivals am Ufer des Lac des Taillères bei La Brévine eingeladen wurde. Tiina Törmänen war noch nie am kleinen See, der im Neuenburger Jura auf einer Höhe von 1000 Metern liegt. Und sie war auch noch nie in La Brévine, der Ortschaft, von der fast jede und jeder in der Schweiz in der Schule gelernt hat, dass sie an Wintertagen der kälteste Ort der Schweiz sein kann. Minus 34,2 Grad Celsius wurden schon in La Brévine an kalten Winternächten gemessen. Was für jemanden aus einem südlichen Land angsterregend kalt sein muss, ist es für Törmänen nicht, die aus dem äussersten Norden Finnlands stammt und heute wieder dort lebt.

Während andere am «Festival de photographie Alt.+1000» teilnehmende Fotografinnen und Fotografen grossformatige Fotografien eingereicht haben, die auf Alu aufgezogen am Ufer des Sees aufgestellt wurden, hat Törmänen ihre Arbeit in einem Päckchen einschicken können: Es ist ein Viewmaster und ein Bilderrad mit Fotos vom Polarlicht, aufgenommen in nordisch eiskalten Nächten. Es sind Bilder, die sie im äussersten Norden Finnlands aufgenommen hat. Man hält den Viewmaster mit beiden Händen vor beiden Augen und bewegt mit dem Zeigefinger mittels eines Hebels das Bilderrad von einem Bild zum nächsten weiter. Während die anderen Fotobeiträge am Festival beim Vorbeiflanieren vom Wanderpfad aus gesehen werden können, muss man für Tiina Törmänens Beitrag anstehen, bis die Person, die sich gerade am Ufer des Lac de Taillères in der arktischen Nacht umschaut, den Viewmaster wieder in die bereitstehende Kassette einschiebt.

Wunderbar dieses Polarlicht, die Leuchterscheinungen am Himmel in Finnlands Norden, die mit einem grünlichen oder gelben Schweif über die Ferne zieht, denn im Winter schimmert das Polarlicht am dunklen Himmel. Auf den Aufnahmen, die sie für das Fotofestival in der Schweiz eingeschickt hat, ist bloss ein einziges Mal ein Haus zu sehen. Tief verschneite Weiten, Bäume unter Schnee, kein Mensch in der Ferne zu sehen. In der Weite von Finnlands Norden wohnen nunmal nicht so viele Menschen. In einem Interview mit Janina Poesch im Online-Magazin für Nordeuropa und Skandinavien «Besser Nord als nie», sagt Törmänen: „Ich finde es sehr spannend, dass sich Polarlichter nicht jeden Tag erleben lassen. Zudem sind sie jedes Mal, wenn ich sie sehe, andersartig: Manchmal sind sie hell, stark und farbenfroh, manchmal eher blass und sehen aus wie eine schwache grüne Wolke. Aber sie sind immer besonders. Das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass sie nachts auftreten und die Nacht an sich schon mystisch ist, wenn sie durch Dunkelheit, Kälte, Einsamkeit und Stille gekennzeichnet ist.

Mit dem Viewmaster am Lac de Taillères

Tiina Törmänen, die ursprünglich als Köchin arbeitete, hat vor etwas mehr als zwanzig Jahren den Weg zur Fotografie gefunden. In einem Fotoatelier hat sie den neuen Beruf erlernt. Zunächst waren es Bilder in Schwarz-Weiss, dann kamen Videos dazu. Zu Beginn faszinierten sie Dokumentarfotografie und Street Photography Mit ihrer Rückkehr nach Lappland im Norden Finnlands, wo sie als Kind aufgewachsen ist, entdeckte sie die weiten Landschaften des Nordens als Fotothema. Mittlerweile hat sie an zahlreichen Ausstellungen ihre Bilder zeigen können. Fachzeitschriften sind auf ihre Fotos aufmerksam geworden. Tiina Törmänen dürfte derzeit die bekannteste Fotografin des skandinavischen Nordens sein.

Es habe Jahre gebraucht, sagt Törmänen in einem Interview, um das arktische Klima und das Polarlicht fotografisch zu verstehen und in Bildern umzusetzen. Am liebsten sei ihr die Fotografie an sternenklaren Nächten. Wer im hohen Norden bei Minustemperaturen, wie sie auch an besonders kalten Winternächten in La Brévine herrschen, fotografiert, muss der Käte ebenso trotzen können wie es die eigene Kamera tun muss. Törmänens Fotografien zeigen die Weite und Menschenleere des Nordens. Kann sein, dass es eine Art Gegengewicht ist, wenn man hört, dass die Fotografin seit geraumer Zeit auch Unterwasserfotografie betreibt. Seen gibt es bekanntlich in genügender Anzahl in Finnland. Und wenn sie zu klein sind für eine echte Unterwasser-Fototour, weicht Törmänen aus ans Meer in Norwegen. Gerade warm ist’s ja dort ebenfalls nicht.

Grosses Bild aus einer Fotoserie von Tiina Törmänen. Kleines Bild: Mit dem Viewmaster am Lac de Taillères mit Bildern vom Polarlicht.

Eingeworfen am 01.12.2021

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