Elf Jahre Foto-Tableaus in der NZZ

Am Mittwoch, 23. September 2009 teilte der damalige Chefredaktor der NZZ mit: «Auf der Meinungs-und Debattenseite werden weltweit tätige Fotografen während einer Woche eine ihre Arbeiten in einem Foto-Tableau vorstellen». Am Freitag, 27. März 2020, elf Jahre später, stand in der NZZ neben einer Fotografie der französischen Fotografin Cloé Jafé (im Bild) ein namentlich nicht gezeichneter Text : «Mit dieser Bildserie endet nach mehr als zehn Jahren die Reihe der Foto-Tableaus, die jede Woche ein neues Fenster auf die Welt öffneten. Von brandaktuellen Themen bis zu exquisit Abseitigem, von experimentellen und ästhetischen Ansätzen bis zur mit Risiko und unter Strapazen realisierten Reportage zeigte sich hier Fotografie auf der Höhe der  Zeit und des handwerklichen Könnens. Den Leserinnen und Lesern, die uns über die lange Zeit begleiteten, danken wir für ihr Interesse“. Die Liste der beteiligten Fotografen, die während elf Jahren jeweils ihre Bilder in der Rubrik Foto-Tableaus in der NZZ publizieren konnten, ist lang und beeindruckend. Hervorragende bekannte und unbekannte Fotografinnen und Fotografen aus der ganzen Welt haben ihre Bilder in der NZZ veröffentlichen können. Beeindruckend die Breite der Bildthemen und die Themenvielfalt der aus der ganzen Welt stammenden Fotografien. Die Rubrik war eine Art Seh-Schulung für fotografische Arbeiten. Denn jedem Bild wurde ein Text zur Seite gestellt. Geschrieben haben die Texte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zeitung wie Angela Schader vom Feuilleton und Nachrichtenredaktorin Kathrin Klette, die Auswahl der Bilder erfolgte durch Gilles Steinmann, Leiter der Bildredaktion und Nicole Aeby von der Bildredaktion in Zusammenarbeit mit den Feuilletonredaktoren. Die rund 60 letzten Foto-Tableaus können im Netz betrachtet werden: https://www.nzz.ch/foto-tableau/ Unerhört die Themenvielfalt der Tableaus. Hier bloss einige: Das geheime Leben der japanischen Mafia-Frauen, Ein guter Job ist in Italien Luxus, Der langsame Tod des Victoriasees, Die unheimliche Leere in Teherans Satellitenstädten, Die Brachlandschaften Grossbritanniens, Wo Ölsand liegt, sterben die Wälder.Schade, dass diese Foto-Tableaus eingestellt wurden, konnte man mit ihnen den eigenen Blick für Fotografien schärfen und der Sprache der Bildbeschreibungen folgen. Klar, jedes Zeitungsgefäss wird nach einer bestimmten Zahl von Jahren durch andere Ideen und Formen ersetzt. Vielleicht spielten in diesem Fall auch der Wille und die Notwendigkeit zum Geldsparen eine Rolle. Immerhin: Herausragende Fotografien mit mehr als kurzen Bildlegenden sollen auch in Zukunft in der NZZ erscheinen. «Wir legen an anderer Stelle weiterhin grossen Wert auf starke visuelle Umsetzungen», sagt Gilles Steinmann und verweist auf die Bilder in der gedruckten Zeitung und auf Bilderfolgen im digitalen Auftritt der NZZ, die nicht minder eindrücklich sind: https://www.nzz.ch/fotografie

Eingeworfen am 18.5.2020

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