Fotografen-Familie

Porträt Fotograf Tim Gidal

Autor: Michael Guggenheimer

In seinem Buch „Modern Photojournalism, Origin and Evolution, 1910-1933” schreibt Fotograf Tim Gidal (im Bild), dass drei Faktoren den Durchbruch des Fotojournalismus in den 1930er Jahren gefördert hätten: Das Aufkommen der 35 mm Kameras Leica und Ermanox, eine neue Generation von Fotoreportern und die massenhafte Verbreitung von illustrierten Zeitschriften. Erich Salomon, André Kertesz, Walter Bosshard gehörten dieser neuen Fotografengeneration an wie auch die jungen Reporter Tim und Georg Gidal. Tim Gidal musste Deutschland verlassen und schrieb an der Uni Basel eine Doktorarbeit zum Thema “Bildberichte und Presse, ein Beitrag zur Geschichte und Organisation der illustrierten Zeitungen”. Von den wenigen heute noch verfügbaren Reporterarbeiten Tim Gidals sind die wegweisende Reportage “Araber gegen Juden – Das Problem Palästina” sowie der umfangreiche Fotoband “Die Freudianer – Auf dem Internationalen Psychoanalytischen Kongress 1934 in Luzern” bekannt. Zwei Jahre nach dem Kongress wandert Gidal nach Palästina aus, dann zieht er nach London und arbeitet für die Picture Post. 1942 beginnt seine Tätigkeit als Chefreporter bei der britischen Armeezeitschrift Parade mit der 8. Armee im Mittelmeerraum. Ab 1948 ist er Fotograf für das amerikanische Life Magazine. Zur selben Zeit erhält Gidal den Lehrstuhl für Visuelle Kommunikation an der New Yorker New School for Social Research, 1971 wird er Dozent an der Hebrew University in Jerusalem. Der Mann, der seine Laufbahn als Reporter begann, wurde zum Fototheoretiker. Sein Sohn Peter Gidal ist britischer Filmemacher und Filmtheoretiker. Die Nähe zu den visuellen Medien gehört zur Familie: Peter Gidals Mutter Sonia Gidal war Fotografin, Tims Bruder, der Fotograf Georg Gidal, arbeitete für den Schweizer Fotoredaktor Arnold Kübler. Georg Gidal kam 1931 bei einem Autounfall ums Leben. Und weshalb mich Gidal beschäftigt: Im Alter von 11 lernte ich den gleichaltrigen Peter kennen und hab ihn aus den Augen verloren. Erst Jahre später realisierte ich, wer Peters Vater war.

Eingeworfen am 30.1.2020

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