Die Sache mit dem Relief

Beim Rekurs gegen einen Neubau spielte in St. Gallen u.a. ein Fotoargument eine Rolle. Ort der Handlung ist die Aussicht von der Berneggstrasse auf die Kathedrale St. Gallen, einem UNESCO Weltkulturerbe . Ein Anwohner und Gegner des geplanten Neubaus, meint: “An dieser Stelle”, so beobachte er seit Jahren, “stehen Touristen und Besucherinnen der Stadt still und greifen zur Kamera. Und bekommen dabei nicht nur die Klosteranlage als Ganzes vor das Objektiv, sondern auch ein Detail, das stadtgeschichtlich zentral sei: das Gallusrelief.” Relief hin oder her: Nur wenige Meter östlich jener Stelle, an der Touristen offenbar so gerne ihre Bilder machen, steht eine der allerersten Brücken, die der berühmte Brückenbauer Robert Maillart entworfen hat. Wir haben beide Aussichten aufs Kloster verglichen, jene, die zum Rekurs führte und jene von der Brücke (imBild) aus und finden: Jene von der Brücke aus steht derjenigen von der Strasse aus in nichts nach, ist sogar imposanter und breiter. Und Hand aufs Herz: Was besagt das Detail des ”Gallusreliefs” einem Touristen aus Wuhan, Shenzhen oder Dangguan? Es sei dennoch zugegeben: der geplante sichtstörende Bau wirkt nicht überzeugend.

Eingeworfen am 7.1.20

1 Kommentar

  1. Ja, die Sache mit dem Relief kann man vergessen!
    Aber, lieber Autor, bei Ihrem Bild von der Brücke aus, hat das Kloster nur einen Turm.
    Wunderbar aber sind die beiden Türme, nebeneinander. So ist es eben doch ein grosser Unterschied, ob von der nun bald verbauten Stelle aus oder von der Brücke aus geschaut oder fotografiert wird. Zudem ist von der bald verschwundenen Stelle aus ein Blick ins Kolorit der Altstadtdächer möglich, der viel schöner ist als von der Brücke aus, wo alles ferner bleibt: Fernsehen.
    Als ich den Denkmalpfleger von der Stadt St. Gallen, der ebenfalls wie der Autor diese Sicht und Sichtachse auf der Brücke lobte, fragte: „Wieviele Türme hat das Kloster? „, meinte er nach einer längeren Pause, „Ob man jetzt jedes Türmli sieht oder nicht, ist nicht so wichtig.“
    Aber auf jeder Postkarte und auf jedem Biberfladen sind zwei Türme …

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