Fotografie als Malvorlage

Büste mit dem Foto, nach dessen Vorlage sie entstand

Autor: Michael Guggenheimer

Maler und Bildhauer haben schon früh die Fotografie zur Hilfe genommen, um ihre Bilder oder Plastiken zu bearbeiten. Nicht alle mochten dazu stehen, dass sie ihr Kunstwerk nicht am lebenden Objekt erarbeiteten. Bildhauer Vincenzo Vela etwa konnte die Büste von Katharina Bavier von Sprecher (im Bild), Tochter von Bundesrat Simon Bavier, 1876 nicht mehr nach dem lebenden Modell verfertigen, weil sie an einer Lungenkrankheit verstorben war. Daher benutzte er Fotografien der Verstorbenen als Vorbilder. Maler Pietro Chiesa benutzt 1898 ganze Bilderserien einer jungen sitzenden Frau für sein Bild Quiete mit einer sitzenden Frau im Garten. Und Maler Pompeo Mariani malt 1892 sein Bild Mia Madre nach Fotografien, die er aufgenommen hat. Damit ersparte er der betagten Frau viele Stunden des stillen Sitzens im Atelier. Und Maler Fillippo Franzoni machte um dieselbe Zeit nicht wenige Fotos vom Markttreiben bevor er seine beliebten Marktbilder malte. Nicht wenige Maler und Bildhauer gehörten in der Frühzeit der Fotografie zu den ersten professionellen Fotografen. Dass sie nach Fotos malten, behielten sie manchmal lieber für sich.

Eingegbworfen am 1.1.2020

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren

Fotos werden Geschichten

Fotos werden Geschichten

Fotografien spielen immer wieder eine Rolle in Romanen. Der Frankfurter Autor Wilhelm Genazino hat mehrfach zu...

Gruppenbild mit Polaroid

Gruppenbild mit Polaroid

Plötzlich interessieren sich die Schweizer Medien für den Autor Lukas Hartmann. Auslöser dieses konzentrierten...

Familienbilder an vier Orten

Familienbilder an vier Orten

Das Thema Familie ist derzeit an Schweizer Museen im Rahmen von Fotoausstellungen sehr präsent. Im Juni und noch bis...