Wiedersehen nach 20 Jahren

Autor: Michael Guggenheimer

Im ältesten Bad der Stadt Zürich scheint die Zeit seit der Eröffnung 1864 stehen geblieben zu sein. Wenige nur kennen dieses Bad. Das Privileg hier ein paar Bahnen zu ziehen und im Schatten der ehemaligen Stadtmauern den Bauch raushängen zu lassen, ist Männern vorbehalten. Erst abends, wenn sich das Bad in die angesagte Rimini Bar verwandelt, sind auch Frauen willkommen. Das Bad wird von einem jüdischen Verein betrieben, es ist das Bad der gläubigen Männer mit den Schläfenlocken vorbehalten. Aber auch Männer, die nicht jüdisch sind, sind hier willkommen. Frauen aber sind während des Badebetriebs nicht zugelassen. Zwanzig Jahre sind es her, da der aus Elba stammende Fotograf Riccardo Rossi im jüdischen Männerbad Zürich im Auftrag der Eltern rund hundert junge Schüler fotografiert hat. Als er die Bilder zwanzig Jahre später ausstellte, da waren nicht wenige der Fotografierten ihrerseits Eltern, deren Kinder in der kommenden Badesaison Schwimmunterricht am Zürcher Schanzengraben nehmen werden.

Eingeworfen am 16.3.2019

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